Der Böhmerwald Heimatbrief

Bayerischer Wald und Böhmerwald/Sumava – ein Service vom Böhmerwäldler Heimatkreis Prachatitz e .V.

Berühmte Persönlichkeiten aus dem Böhmerwald


Bischof Neumann (Gemälde von Helma Flügel-Fritsche, geborene Kössl, † 2005)

Bischof Johann Nepomuk Neumann
geboren in Prachatitz, Bischof von Philadelphia

Er wurde am 28.3.1811 als 4. Kind des aus Obernburg/Main zugezogenen Strumpfwirkers Johann Philipp Neumann und dessen Frau Agnes, geb. Lebisch geboren.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Nach Besuch der Stadtschule in Prachatitz und dem Piaristen-Gymnasium in Budweis, das er 1831 abschloss, kam er auf das dortige Priesterseminar und 1833 auf das erzbischöfliche Seminar in Prag.

Am 8.2.1836 verlässt Johann. N. Neumann Prachatitz und macht sich auf die beschwerliche Reise nach Amerika. Bald nach der Ankunft wird er am 25.6. in New York zum Priester geweiht und arbeitet als Seelsorger im Gebiet des Niagara. Er tritt in den Redemptoristen-Orden ein und erhält am 28.3.1852 die Weihe zum Bischof von Philadelphia. Den äußerst bescheidenen Lebenswandel behält er auch nach der Bischofsweihe bei. Sein Hauptanliegen war der Ausbau des katholischen Schulwesens. Anfang Februar 1855 besucht er zum letzten Mal seinen Geburtsort Prachatitz. Am 5. Januar 1860 ereilt ihn der Tod mitten auf der Straße. „Ein solcher Bischof konnte nicht anders sterben als unterwegs“, kommentierte ein Amtskollege den Tod des erst 48jährigen.

Am 13.10.1963 wird Johann Nepomuk Neumann durch Papst Paul VI. selig- und am 19.6.1977 heilig gesprochen.[/su_spoiler]

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Rosa Tahedl

Rosa Tahedl
Die Stimme unserer Böhmerwaldheimat

Rosa Tahedl wurde am 10. August 1917 als Tochter eines Eisenbahners im Holzhauerdorf Guthausen geboren und wäre 2007 90 Jahre alt geworden.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Ihre Ausbildung als Lehrerin beendete sie mit Auszeichnung an der Deutschen Lehrerbildungsanstalt in Budweis. Wie viele andere hatte sie vorerst keine großen Aussichten auf eine Anstellung, die damals vielen deutschen Lehrern in der Tschechoslowakei verwehrt blieb. Als Hospitantin, Praktikantin und Hauslehrerin musste sie die Zeit der Arbeitslosigkeit überbrücken. Erst 1938, mit Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland wurde ihr ein fester Anstellungsposten zugewiesen. Von 1941 bis Kriegsende war sie an der Lehrerbildungsanstalt Prachatitz als Ausbildungslehrerin tätig. Für die begeisterte Lehrerin folgten nach Ende des Krieges 18 Jahre Fronarbeit als Waldarbeiterin unter einem teilweise menschenverachtendem Regime. Als die anderen ihrer Dorfgemeinschaft gehen mussten, hielt man sie noch zurück. Aus einer kurzweiligen Verzögerung, an die sie glaubte, wurden letztendlich 18 Jahre Fronarbeit. Aus der Lehrerin wurde eine Waldarbeiterin, die erlebte, was es heißt, im kommunistischen Regime ganz unten zu sein und ständig die Stiefel der Oberen spüren zu müssen. Vieles davon hat sie sich später in zahlreichen Erzählungen und in ihren Büchern „von der Seele geschrieben“. Nie hat sie in ihrer Rückschau gesagt, dass sie diese Jahre als verloren werte. Sie fand vielmehr ihr Lebensmotto, dem sie all die Zeit über treu blieb: „Das Leben ebnet ein, aber man muss sich in dieser Ebene einen Stammplatz suchen.“ Nach einer fast zwanzigjährigen Pause nahm sie, nachdem ihr, zusammen mit ihrem Vater, 1964 die Ausreise genehmigt war, ihre Lehrtätigkeit an der Volksschule Runding im Landkreis Cham, wieder auf, wo sie 1980 als Konrektorin in den Ruhestand ging. Und dieser „Ruhestand“ schuf nun Platz für das Schreiben. Neben dem Reimen, das Rosa Tahedl schon immer reizte, wagte sie sich jetzt auch an die Niederschrift der Dorfgeschichte ihres Geburtsortes Guthausen in dem Buch „Sternreischtn – Ein Lichtbogen über einem Böhmerwalddorf“. Es folgten „Abenteuer unter dem Roten Stern“, in dem die Autorin ihr 18jähriges Waldarbeitleben unter dem kommunistischen Regime schildert oder das Buch „Wo die Steine reden“, Skizzen über ein Leben in der Tschechoslowakei über nationale Gegensätze, Entwurzelung nach dem Krieg, Kerkerhaft und Zwangsarbeit, die ein Hirte unter Steinen vergräbt, die aber nur zu einem einzigen Menschen reden. Unentwegt hat sie noch an dem Buch „Die Mali“ gearbeitet, in dem sie die Lebensgeschichte ihrer Mutter personifiziert. „Ich hinterlasse zwar keine Kinder, dafür aber meine Bücher“, so hat sie oft auch den Nachlass ihrer schriftstellerischen Arbeit bewertet. Rosa Tahedl zog sich aber nicht als Einzelgängerin an den Schreibtisch zurück. Sie übernahm für ihre Landsleute viele Aufgaben in verschiedenen Gremien auf Landesebene, gehörte zur Gruppe der Initiatoren des Nachbaues der Tussetkapelle in Philippsreut, der Wiederbelebung der Wallfahrt im Tussetwald, war Gemeindebetreuerin ihrer Heimatgemeinde und engagierte sich auch in mehreren Gruppen ihrer Wahlheimat Runding. Nicht ausgeblieben sind kommunale Auszeichnungen und auch die Verleihung der Stifter-Medaille, über die sie sich besonders gefreut hat. Am 14. Juni 2006 standen viele Landsleute und auch Einheimische am Grab von Rosa Tahedl, die in ihrem Wahlheimatort Runding voll integriert war. Sie trauerten um eine begnadete Schriftstellerin des Böhmerwaldes.[/su_spoiler]

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Johann Peter

Johann Peter – Böhmerwalddichter
Der „Rosegger des Böhmerwaldes“

Im höchstgelegenen Ort des Böhmerwaldes, in Buchwald (1180 m) in unserem Heimatkreis Prachatitz, erblickte Johann Peter am 23. Februar 1858 das Licht der Welt.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Er war der Spross eines alten und hoch angesehenen Erbrichtergeschlechtes, der „Richterbub“ aus Buchwald, dort wo in der Nähe die Moldau entspringt.

Sein Großvater betrieb einen schwungvollen Handel mit Resonanzbodenholz und kam bei seinen Geschäften bis nach Wien. Im Richterhaus gab es bereits eine kleine Bücherei, eine Musikinstrumentensammlung, und im Wohnzimmer stand ein Klavier.

Damit waren bereits vom Elternhaus her gute Voraussetzungen geschaffen für einen schulischen Erfolg. Nach der Volksschule in Buchwald wechselte er auf die Realschule in Bergreichenstein und nach deren erfolgreichem Abschluss auf die Lehrerbildungsanstalt in Budweis. Dort war der Dichter Franz Herold einer seiner Lehrer. Als Lehrer wirkte Johann Peter in Budweis, als Schulleiter in Großmeiselsdorf N.Ö., dann in Prachatitz und ab 1903 in Haida.

Zuletzt wirkte er als Oberlehrer in Böhmisch-Leipa. Nach seiner Pensionierung kehrte er in die Heimat zurück und lebte mit seiner Gattin bis zu seinem Tod im Haus „Abendfrieden“, welches ihm der Verleger Rupert Steinbrener in Winterberg erbaut hatte.

Johann Peter entwickelte bald die Begabung, oft unbeachtete Selbstverständlichkeiten der Böhmerwaldheimat in Erzählungen einfließen zu lassen. Sein Fühlen und Denken war zum weitaus größten Teil den heimischen Wäldern gewidmet. Er hat den leisesten Pulsschlag der Bewohner erlauscht und brachte Reichhaltiges mit künstlerischem Feingefühl zu Papier.

Er war der Kleinmaler des Böhmerwaldes und weist insofern Ähnlichkeiten mit dem großen Adalbert Stifter auf. Auch einige wunderhübsche Gedichte stammen aus seiner Feder. Johann Peter war dem Steirer Peter Rosegger sehr artverwandt und mit diesem auch befreundet.

Man nannte Johann Peter nicht von ungefähr den „Rosegger des Böhmerwaldes“. 1897 kehrte er in den Böhmerwald zurück, wo er 1899 die Monatsschrift „Der Böhmerwald“ gründete, die er bis 1907 herausgab.

Johann Peter starb am 14. Februar 1935 in Winterberg.

Werke: Insgesamt 23 Bände.

Sein bestes Buch ist „Der Richterbub“.
Weitere Werke sind: „Es war im Böhmerwald“, „Charakter- und Sittenbilder aus dem Böhmerwald“, „Junges Blut“, „Wildfarren“, „Volksedelinge“, „Helden aus dem Volk“, „Im deutschen Urwald“, „Der Schelmenpeter“, „Der Poet im Dorfschulhaus“ a.a.m.

Ehrungen: Am Geburtshaus in Buchwald und am Wohnhaus in Haida wurden noch zu seinen Lebzeiten Gedenktafeln abgebracht. Er erhielt zahlreiche Kunststipendien und Ehrensolde, u.a. auch von der Schillerstiftung in Weimar.[/su_spoiler]

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Hilda Bergmann

Hilda Bergmann

Am 9. November 1878 wurde Hilda Bergmann als älteste Tochter des Bezirkschulinspektors Eduard Bergmann und dessen Frau Emma, geb. Fuchs geboren.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Nach Besuch von Volks- und Bürgerschule in Prachatitz beginnt sie 1894 eine Ausbildung als Volksschullehrerin, die sie 1898 an der Zivil-Mädchen-Pensionsschule in Wien abschließt; die Familie war 1897 nach Wien umgezogen.

Bis 1908 arbeitet Hilda an verschiedenen Volksschulen Wien, gibt aber nach der Heirat mit Alfred Kohner ihren Beruf auf. 1925 erscheint ihr erster Gedichtband „Die heiligen Reiher“, dem 1933 „Die stummen Dinge“ und 1936 „Zünd Lichter an“ folgen.

Mit dem Schweizer Maler Ernst Kreidolf zusammen veröffentlicht sie 1935 „Die Himmelreichwiese“, eine Sammlung von Blumenlegenden. Einen Namen macht sie sich auch Märchen und Geschichten für Kinder. Nach „Wichtelmännchen und anderen kleinen Leuten“ und „Vom Glöckchen Bim und andere Geschichten“ erhält sie für „Märchen aus Wiese und Wald“ beim Jugendbuch-Preisausschreiben des Bundes der Deutschen den ersten Preis.

Weil Hilda Bergmanns Mann jüdischer Abstammung ist, emigriert das Paar im März 1938 nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland nach Astorp in Schweden. Sie lernt schnell schwedisch und übersetzt das Buch „Vogel ohne Schwingen“ von Jeanna Oterdahl ins Deutsche. Dieses Buch erscheint auch nach dem II. Weltkrieg in Deutschland.

Am 22.11.1947 stirbt Hilda Bergmann. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Astorp/Björnekulla.[/su_spoiler]

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Otto Herbert Hajek

Otto Herbert Hajek – Künstler
geboren in Kaltenbach

Er wurde am 27. Juni 1927 als Sohn des Bauern Wendelin Hajek und dessen Frau Anna, geb. Matejka geboren.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]In den Jahren 1939 – 45 besuchte er das Gymnasium in Prachatitz und legte 1947 in Erlangen das Abitur ab. An der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart studierte er Bildhauerkunst.

Otto H. Hajek wurde zu einem weltbekannten Künstler und zu einem Organisator des Kulturlebens. Seine Werke stehen in vielen Weltstädten von Moskau bis Adelaide in Australien.

Im Jahre 1978 erhielt Hajek den Titel Professor und im selben Jahr wurde ihm die Ehrenpromotion der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen verliehen.

1982 wurde er Vorsitzender des Adalbert-Stifter-Vereins in München, 1987 erhielt er die Adalbert-Stifter-Medaille und die Stadt Prachatitz verlieh ihm 1998 die Ehrenbürgerwürde.

Anlässlich des 74. Geburtstags des Künstlers wurde am 27. Juni 2001 das „Kulturzentrum O.H. Hajek in Prachatitz festlich eröffnet. Hierfür stiftete er eine repräsentative Werkauswahl von rund 100 Exponaten, die nun in einer Dauerausstellung im sog. Boskowski-Haus Nr. 184 am Großen Marktplatz gezeigt werden.

Professor Otto Herbert Hajek starb am 29. Mai 2005 in Stuttgart. [/su_spoiler]

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Andreas Hartauer

Andreas Hartauer
Glasmacher, Dichter und Komponist des Liedes „Tief drin im Böhmerwald“

Geboren am 28. November 1839 auf der Stachauerhütte bei Winterberg – gestorben am 18. Januar 1915 in St. Pölten N.Ö.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Das Lied „Tief drin im Böhmerwald“ zählt zu den schönsten deutschen Volksliedern.

Von seinem Schöpfer wußte man lange nichts und erst durch eine 1931 erschienene Schrift Dr. Rudolf Kubitscheks wurde bekannt, daß Text und Melodie des Liedes auf den Glasmacher Andreas Hartauer zurückgehen.

Er dichtete es anfangs der siebziger Jahre im 19. Jahrhundert in Johannesdorf bei Bürgstein in Nordböhmen, wo er damals gerade berufstätig war.

Am 25. Juli 1937 wurde am Kreuzwaldl in Eleonorenhain das Böhmerwaldlieddenkmal und am 14. Mai 1961 am Sterbehaus Hartauers in St. Pölten eine Gedenktafel enthüllt.

Ebenso sind in Österreich mehrere Gassen und Straßen nach ihm benannt.

„Dort tief im Böhmerwald, dort ist mein Heimatort, es ist schon lange her, daß ich von dort bin fort, doch die Erinnerung bleibt mir, das ist gewiss, daß ich den Böhmerwald gar nie vergiss.“ [/su_spoiler]

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Hans Schreiber

Hans Schreiber – Moorforscher
geboren in Wallern

Er wurde am 25.12.1859 in Wallern geboren und besuchte das Realgymnasium in Prachatitz und die Oberrealschule in Budweis, die er mit der Matura abschloss.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Seine Studien der Physik, der Botanik und der Geologie führten ihn an die Deutsche Technische Hochschule in Prag, sowie die Universitäten Prag und Wien.

Zwei Jahre lang wirkte er als Lehrer an einer Oberrealschule in Wien, danach erlangte er die Lehrbefähigung an der Hochschule für Bodenkultur in Wien über Witterungskunde, Chemie und Technologie.

In Bremen erfuhr er eine Ausbildung in Moorkunde.

Von 1895 bis 1922 war er Direktor an der landwirtschaftlichen Winterschule in Staab, 1899 gründete er die Moorversuchsstation in Sebastiansberg, wo er Lehrgänge für Moorkunde abhielt. Unvergängliches leistete Schreiber in der Moorkultur und in der Torfwirtschaft; zum Teil mit dem Fahrrad erkundete er in ganz Europa bis hinauf nach Schweden, Norwegen und Finnland über 1000 Moore.

1900 gründete er in Salzburg den Deutsch-Österreichischen Moorverein und gab die „Deutsch-Österreichische Moorzeitschrift“ heraus. Hans Schreiber galt als einer der bedeutendsten Kenner der europäischen Torfmoore.

Sein zweites Betätigungsfeld sah er nach dem 1. Weltkrieg, als er den „Deutschen Verein für Volkskunde und Volksbildung“ gründete.

Er sammelte alle Bücher über den Böhmerwald und die Böhmerwäldler.

Schreiber verfasste Zusammenstellungen über die Siedlungsgeschichte des Böhmerwaldes und der Ortsnamen.

Zwischen 1923 und 1928 gab er den „Wäldlerkalender“ heraus, der sich mit der Heimatkunde des Böhmerwaldes beschäftigte.

In St. Margaretenbad bei Prachatitz betrieb er eine Böhmerwäldler Volkshochschule.

Er war auch ein geistiger Vater des Böhmerwaldmuseums in Oberplan und widmete ihm seine wissenschaftlichen Sammlungen. Direktor Hans Schreiber starb am 8.1.1936 in Krummau. [/su_spoiler]

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Josef Meßner

Josef Meßner 
Ein Genie aus Prachatitz

Vor 150 Jahren, am 4. Januar 1862 starb in Prachatitz Josef Meßner im Alter von nicht einmal 40 Jahren. In Prachatitz war er auch am 3. Februar 1822 geboren worden.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Über ihn schrieb im Heimatbrief 2/1957
Walter Müller:
„Welche Tragik liegt über seinem Leben! Ein Mensch, reich an Herz und Gemüt, überaus empfänglich für die Schönheit der heimatlichen Natur, geistig regsam, dichterisch, zeichnerisch und musikalisch begabt, ein echter Romantiker mit unbändigem Freiheitsdrang und Wandertrieb; ein Träumer, aber auch ein genauer und sachverständiger Beobachter des Volkslebens, der Sitten, Bräuche und Kultur des Volkes, ein gern gesehener und beliebter Gesellschafter; ein haltloser, dem Trunk ergebener Herumstreuner, von der Polizei des von Metternich eingerichteten absolutistischen Staatssystems jahrelang überwacht, weil er angeblich den in der Schweiz eingesogenen demokratischen Prinzipien im Jahre 1848 in seiner Heimat Eingang zu verschaffen suchte und sich als Aufwiegler besonders hervortat; in seiner Heimat geschätzt und geachtet, so dass man ihn sogar zum Kommandanten des Bürgerlichen Schützenkorps in Prachatitz ernennen wollte; ein den Armen und den Kindern gegenüber überaus freigebiger Mann, der verwaisten Kindern einmal seine letzte Barschaft und einem vorbeikommenden Handwerksburschen seine letzte Hose gab; ein schwer an einem Lungenleiden erkrankter Lebensmüder, der in seinen letzten Tagen noch einmal Trost im Heimatwalde suchte und diesen in seinen beiden letzten, unvollendeten Novellen („Unter den Buchen“ und „Im Walde“) noch einmal verherrlichte – das ist Josef Meßner, das größte Genie, das die Stadt Prachatitz hervorgebracht hat.“

Der Dichter entstammte einer angesehenen Prachatitzer Bürgerfamilie, seine Wiege stand im historischen Patrizierhaus „Salzhalle“ am Ringplatz. Schon als Kind zeigte er eine rege Phantasie, außergewöhnliche Liebe zur Natur und andere nicht alltägliche Geistesgaben.

Seine Schullaufbahn führte ihn von der Normalschule in Prachatitz ans Gymnasium nach Budweis. Nach der Absolvierung von sechs Klassen hatte er die Lust am Studieren verloren und er ließ sich 1840 beim 1. Artillerieregiment in Prag anwerben.

Aber Gehorsam und Unterordnung waren ihm zutiefst verhasst und so quittierte Josef Meßner den Militärdienst als „Invalider“; es heißt auch, dass die Eltern ihn freikaufen mussten. Hier zeigte sich bereits sein fataler Hang zur Unbeständigkeit, die später sein Leben ruinieren sollte.

Frei von militärischem Zwang versuchte Josef Meßner sich als Bauzeichner beim Welser Bahnbau. Nach wenigen Monaten reifte in ihm aber der Plan, dass er, gemäß seiner Wandervogelnatur, einmal als Handwerksbursche durch die Welt ziehen wolle. Nun schon 23 Jahre alt ging er in seiner Heimatstadt bei einem Weißgerber in die Lehre. Der intelligente junge Mann wurde bereits nach knapp zwei Jahren freigesprochen und so konnte er sein ersehntes ungebundenes Wanderburschendasein aufnehmen.

Von 1847–1851 durchstreifte er die österreichischen Alpenländer bis Krain und Istrien, er kam in die Schweiz und auch nach Deutschland und erlebte das Gefühl unbegrenzter Freiheit.
Die Ideen der Revolution von 1848 schlugen ihn so in Bann, dass er begeistert für Freiheit und Demokratie eintrat. Das brachte ihm zeitlebens eine mehr oder weniger auffällige Überwachung durch die Polizei ein.

1851 ließ er sich von seinen Eltern und Geschwistern endlich dazu bewegen, in seine Vaterstadt zurückzukehren und sich als Gerbermeister zu betätigen.
Nach einem Jahr packte ihn aber wieder die Wanderlust, er verschleuderte seine Ware und zog noch einmal los. Doch schon nach etwa einem Jahr kam er reumütig völlig mittellos und heruntergekommen wieder zurück, das unsolide Leben auf der Landstraße hatte seine Gesundheit zerrüttet.

Seine Eltern hatten sich inzwischen von ihm losgesagt und so stand er buchstäblich vor dem Nichts. Jetzt in der tiefsten Talsohle reifte er zum begnadeten Dichter.

Während seiner letzten Lebensjahre, die Josef Meßner in seiner Heimatstadt Prachatitz verbrachte, erfreute sich dieser seelengute Mann großer Beliebtheit. Auch wenn er nicht in das Raster gutbürgerlicher Wohlanständigkeit passte, empfand man für seine Situation großes Verständnis.

Josef Meßner starb am 4. Januar 1862 an Lungenschwindsucht. Auch wenn er viele Jahre seines Erdenlebens unstet umherwanderte, empfing er doch von seiner Heimatstadt Prachatitz und ihrer Umgebung das, was seine Werke prägt.

Was der Fotograf Josef Seidel aus Krummau mit seinen Bildern für die Nachwelt festgehalten hat, hat 60 bis 70 Jahre vorher Josef Meßner mit seinen Schilderungen des Lebens im Böhmerwald geschafft.

Herbert von Marouschek, der Begründer des Böhmerwaldmuseums in Wien, sammelte Josef Meßners Schriften und versuchte das Andenken an diesen Zeichner von Natur und Volk seiner Heimat zu bewahren.

Wie sehr der Schriftsteller Josef Meßner, der ein Zeitgenosse Adalbert Stifters war, von seinen Landsleuten geschätzt wurde, zeigte sich darin, dass sein historischer Roman „Der Primator“ 1972 vom Böhmerwaldheimatkreis Prachatitz mit Unterstützung des Patenschaftslandkreises Ingolstadt unter Landrat Adolf Fink 1972 neu aufgelegt wurde.
In ihm schildert der Dichter die Ereignisse seiner Vaterstadt Prachatitz zu Beginn des
30-jährigen Krieges.

Von diesem Büchlein sind noch einige Restexemplare bei der Vereinsverwaltung vorrätig und können bei Walter Beutel (Telefon: 0 98 20 / 91 80 15) bestellt werden.[/su_spoiler]

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Karl Breu – genannt Tom Jack

Karl Breu – genannt Tom Jack
„der Welt größter Entfesselungskünstler“

Vor 60 Jahren, am 17. Oktober 1953, starb Karl Breu, der sich den Künstlernamen Tom Jack zugelegt hatte und der als „der Welt größter Entfesselungskünstler“ gerühmt wurde.
[su_spoiler title=“… weiterlesen“ icon=““]Wegen seiner schlohweißen Haare und seiner fahlen Hautfarbe wurde er oft auch „Weißschädel“ genannt. Schließlich war er als Albino zur Welt gekommen, das heißt seinem Körper fehlten Farbpigmente und deswegen hatte er auch die typischen roten Augen.

Geboren wurde er am 10. Januar 1884 in Dubiau in Böhmen. Sein Vater war der Glasschmelzer Georg Breu, seine Mutter Juliane geb. Hartauer war eine Verwandte von Andreas Hartauer, dem Dichter des Böhmerwaldliedes. Die Eltern starben, als Karl und seine Schwester Lori noch Kleinkinder waren. Das Mädchen kam zu Verwandten nach Wien, wo es später in einem Haushalt tätig war und der Knabe wurde von Verwandten in Eleonorenhain aufgenommen.

Für den vorgesehenen Beruf eines Glasmachers fehlten ihm ebenso die gesundheitlichen Voraussetzungen wie für den eines Glasschleifers. Da kam eines Tages ein Wanderzirkus nach Eleonorenhain und der junge Karl war von der neuen, bunten Zirkuswelt fasziniert.
Auch auf den Zirkusdirektor machte der aufgeweckte Junge mit dem ungewöhnlichen Aussehen einen guten Eindruck und er nahm ihn, mit ausdrücklicher Erlaubnis seines Pflegevaters und Vormunds, in seine Truppe auf.

Karl fing von ganz unten an, aber mit seinem wachen Verstand war er vielseitig einsetzbar und er stieg auf. Zuerst betätigte er sich als Magier, bevor ihm als Entfesselungskünstler der ganz große Durchbruch gelang.

Karl Breu nahm den Künstleramen Tom Jack an und entwickelte sich zum international anerkannten Varietekünstler. Er gastierte auf allen fünf Kontinenten und wo er auftrat, war sein Name in aller Munde.
In London wäre er fast ums Leben gekommen, denn um den Nervenkitzel zu erhöhen, hatte er sich schwer gefesselt von der Tower-Brücke in die Themse werfen lassen. Nach dem Aufprall auf der Wasseroberfläche merkte er zu seinem Entsetzen, dass sich die Ketten sich nicht auf die übliche Art lösen lassen. Er versank gefesselt in den Fluten und erst kurz vor dem Ertrinken konnte er sich doch noch befreien.

Tom Jack war inzwischen ein wohlhabender Mann geworden und er heiratete die Künstlerin Wally Paradies, die ebenfalls ein Albino war. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, die ein völlig normales Aussehen hatten.
Wenn er nicht auf Tournee war, lebte er in Berlin, der damaligen Reichshauptstadt.

Doch Karl Breu fühlte sich zeitlebens als Eleonorenhainer und als Böhmerwäldler. Öfters kam er in seine geliebte Heimat zurück, um sich in den Wäldern neue Kraft für seine nervenaufreibende Tätigkeit zu holen. Dabei gab er stets im Touristenhaus in Eleonorenhain eine Sondervorstellung, deren Erlös der Künstler immer für wohltätige Zwecke spendete. So steuerte er beispielsweise eine beträchtliche Summe für den Bau des Kriegerdenkmals bei.

Am 25. Juli 1937 wurde in Eleorenhain das Böhmerwaldlieddenkmal für Andreas Hartauer enthüllt. Am Abend zuvor fand ein festlicher Abend statt, zum dem alles gekommen war, was im Böhmerwald Rang und Namen hatte. Den Höhepunkt des Abends bildete ein Auftritt von Tom Jack. Hier der Bericht eines Augenzeugen: „Unsere Spannung wuchs, als der Künstler die Bühne betrat, Rock und Hemd abstreifte und sich von jungen Turnern vorerst in eine Zwangsjacke stecken ließ, die sorgfältig zugebunden wurde. Dann kamen tschechische Gendarmen mit Eisenketten, die sie kreuz und quer über den Körper des Künstlers wanden und zuletzt mit mehreren Vorhängeschlössern zusammenfügten. Tom Jack konnte sich in dieser paketähnlichen Verschnürung kaum bewegen. Und dann geschah es wirklich, wir haben es mit unseren eigenen Augen gesehen! Der Künstler dehnte und streckte seinen Körper, klirrte mit den Ketten, wurde von körperlicher Anstrengung merklich rot im fahlen Gesicht und schüttelte Ketten, Schlösser und Zwangsjacke ab, wie man sich nach kaltem Bad der an der Haut haftenden Wassertropfen entledigt. Die ganze Prozedur dauerte genau drei Minuten. Ich habe kein zweites Mal eine ähnlich spektakuläre Entfesselung erlebt.“

Während des Zweiten Weltkrieges kam Karl Breu mit seiner Familie in seinen Heimatort Eleonorenhain zurück und kaufte sich in der Nähe des Bahnhofs ein Grundstück. Nach dem Krieg wollte er sich hier sesshaft machen, um im geliebten Böhmerwald seinen Lebensabend zu verbringen.
Das Schicksal aber hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als die Amerikaner Eleonorenhain besetzten, betätigte sich der sprachkundige Mann öfters als Dolmetscher.

1946 traf auch ihn das schwere Los der Vertreibung und er fand in Beinstein bei Waiblingen ein neue Bleibe. Hier starb er auch am 17. Oktober 1953 im Alter von knapp siebzig Jahren.
Die Gattin war ihm bereits im Tod vorausgegangen. An seinem Sterbebett war seine Tochter Alice Jannasch, geb. Breu, die damals in Berlin Charlottenburg wohnhaft war. Über das Schicksal des Sohnes konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.[/su_spoiler]

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