Deutsch–tschechischer Kommunalkongress der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Pilsen

Die Sudetendeutschen wollen Brückenbauer zwischen Tschechien und Deutschland sein

von Rudolf Hartauer

„Diese Tagung kann man als Erfolgsgeschichte im deutsch – tschechischen Dialog bezeichnen. Alles hat sich darum gedreht, den Verständigungsprozess zwischen Sudetendeutschen und Tschechen voranzutreiben. Und bei allem stand immer der Mensch im Mittelpunkt… Am Schluss können wir stolz feststellen: Wir sind auf einem guten Weg. Wir stehen in einem Dreiecksverhältnis, und wir Sudetendeutsche stehen mitten zwischen den deutschen und tschechischen Kommunen… Wir müssen in Deutschland deutlich machen: Wenn ihr mit uns kooperiert und mit uns nach drüben geht, dann ist da etwas zu erreichen – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und menschlich. Das sind Projekte, mit denen man auch die jungen Menschen erreichen und motivieren kann. In diesem Sinne fordere ich sie alle auf: Weitermachen, neue Projekte suchen, neue Kontakte knüpfen, junge Leute mitnehmen. Das ist eine dankbare und sinnvolle Aufgabe.“ – Mit diesem Appell fasste Reinfried Vogler, der Präsident der Sudetendeutschen Bundesversammlung, den 2. Kommunalkongress der Sudetendeutschen, welcher vom 9. September bis 11. September zum ersten Mal in Tschechien abgehalten wurde, zusammen. Edmund Schiefer und Rudolf Hartauer vom Böhmerwald Heimatkreis Prachatitz vertraten in Pilsen die Interessen der Heimatregion Böhmerwald.

Edmund Schiefer im Gespräch mit Jaroslav Ostrčilik, dem Organisator des Brünner Lebensmarsches.

Das Zusammenwirken von tschechischen und deutschen Kommunen mit der Einbeziehung der Sudetendeutschen war das beherrschende Thema der Tagung. Unter den Protesten von etwa 30 Tschechen konnten Siegbert Ortmann, Stv. SL-Bundesvorsitzender, Prof. Rudolf Kučera, Präsident der Paneuropa-Union in der Tschechischen Republik und Jan Čižinsky,Bürgermeister in Prag 7, zahlreiche Teilnehmer begrüßen. Ihnen stellte Dr. Birgit Seelbinder als Präsidentin der Euregio Egrensis die Fördermöglichkeiten dieser Institution vor, Hans Schaidinger, Oberbürgermeister a.D. von Regensburg, schilderte das Werden der Städtepartnerschaft zwischen Regensburg und Pilsen. Schließlich berichtete Jaroslav Ostrčilik über die Entwicklung des Brünner Lebensmarsches. Beim letzten Mal beteiligten sich daran ca. 1000 Leute. Aus dieser Idee entstehen viele kommunale Initiativen, die im Jahr 2018 einen Höhepunkt in „Meeting Brno“ haben sollen.

Bürgermeister Prinz Vladimir von Lobkovicz von Pilsen/Plzeň 5-Krimice mit Bernd Posselt, Sprecher der SL und Nina Nováková, MP, schechisches Parlament.

Eine erhitzte Diskussion ergab sich zum Thema „Deutsche in der Tschechischen Republik sowie Sudetendeutsche und Tschechen in Deutschland als Bindeglied zwischen beiden Ländern“. Wie schon erwartet, brachte in diesem Zusammenhang ein Tagungsteilnehmer die Beneš – Dekrete zur Sprache und erhielt vereinzelten Beifall. Zum Weiterdenken forderte ein tschechischer Tagungsteilnehmer auf, der sich wünschte, hier nicht das Fass der Pandora zu öffnen. „Welches Kind würde schon zugeben, dass seine Eltern Diebe waren?“ Ein weiterer Schwerpunkt der Themenstellung lag bei den Patenschaften und Partnerschaften der Städte. Es wurden die Partnerschaften der Städte Augsburg – Reichenberg/Liberec; Nürnberg – Prag/Praha; Regensburg – Pilsen/Plzeň und Schönsee – Ronsperg/Pobëžovice durch ihre Repräsentanten vorgestellt. Bereits im April 1990 empfahl der Geschäftsführende Bundesvorstand der SL, „sudeten-deutsche Heimatkreise, -städte und -gemeinden dazu anzuregen, mit denjenigen Kreisen, Städten und Gemeinden eine Partnerschaft anzustreben, aus denen die sudetendeutschen Patenkinder stammen. Auf diese Weise können die sudetendeutschen Interessen am besten gewahrt werden.“ So gelinge echte „Volksdiplomatie“ mit den tschechischen Nachbarn, bei der die Sudetendeutschen nicht ausgegrenzt werden, wenn Patenschaften zu Partnerschaften erweitert werden. Die Sudetendeutschen wollen hier „Brückenbauer“ sein. Eines wurde auch an diesem Wochenende auf alle Fälle deutlich: Zwischen den Sudetendeutschen und den Tschechen beginnt sich etwas zu bewegen, und das nicht erst seit der denkwürdigen Rede von Daniel Herman. Es gibt viel zu tun, sei es in der Zusammenarbeit der Kommunen, in der Touristik, im Schulsystem oder in den Medien. – Die Fördermittel dazu sind noch lange nicht ausgeschöpft.