Leitartikel des neuen 1. Vorsitzenden

Von Dr. Gernot Peter
aus BHB Nr. 7 vom Juli 2016

Liebe Böhmerwäldler
und Leser unseres „Heimatbriefes“!

Ich freue mich, dass ich die Böhmerwaldgemeinde des Heimatkreises Prachatitz zum ersten Mal an dieser Stelle herzlich grüßen darf! Es ist eine Premiere in mehrfacher Hinsicht, für den Heimatkreis und für mich persönlich. In der heurigen Jahreshauptversammlung am 30. April 2016 wurde nicht nur ein neuer Vorstand bestimmt, es ist auch eine Weichenstellung für die Zukunft des Vereins erfolgt. Aus dem dritten wurde ein erster Vorsitzender und mit einer neuen 3. Vorsitzenden, Gaby Kieweg aus Pocking wurde die Vereinsspitze deutlich verjüngt, weitere neue Mitarbeiter konnten gewonnen werden.

Dr. Gernot Peter

Zunächst möchte ich Karl Swihota, der den Verein mit Umsicht seit 2012 geführt hat, für seine langjährige Tätigkeit – er ist auch Ortsbetreuer von Böhmisch Röhren – recht herzlich danken! Nur wer ein solches Ehrenamt über Jahre ausführt, weiß, was damit verbunden ist! Auch Rudolf Paulik, unserem Ehrenvorsitzenden sei für seine unermüdliche Arbeit durch viele Jahre und sein Vorbild vielmals gedankt! Und nicht zuletzt Fritz Weiß, unserem langjährigen Schriftführer und Gestalter des Heimatbriefes, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte, gebührt unsere Dankbarkeit für viele Jahre voller Schaffenskraft!

Ich möchte neben Gaby Kieweg als neue 3. Vorsitzende auch Rudolf Hartauer, einen Nachfahren von Andreas Hartauers Bruder sehr herzlich als neuen Schriftführer begrüßen, ebenso Adolf Weishäupl, der mit vielen historisch wertvollen Beiträgen bereits als Autor den Heimatbrief bereichert hat und der nunmehr auch als Stiftungsrat zur Verfügung steht. Auch allen anderen, die weiterhin ihre Funktionen ausüben, sei Dank ausgesprochen, Adolf Paulik als 2. Vorsitzenden und mit Oswin Dotzauer und Ria Mertl gemeinsam unsere Stütze bei der Betreuung des Heimatmuseums in Ingolstadt, unserem Schriftleiter und Kassier Walter Beutel und Edmund Schiefer, der sich um die Bischof Neumann Kapelle sowie über Stiftungsbelange kümmert, daneben aber noch viele andere Aktivitäten übernommen hat. Und vor allem danke ich den vielen Ortsbetreuern, die oft schon jahrzehntelang die Karteien pflegen, zu Geburtstagen gratulieren oder Sterbemeldungen bekanntgeben, Ortstreffen organisieren und somit die Basis unserer Gemeinschaft darstellen.

Dieses großartige Team war es auch, das mich veranlasst hat, den Vereinsvorsitz zu übernehmen. Als weit nach dem Kriegsende Geborener (Jahrgang 1962) kannte ich den „alten“ Böhmerwald aus Erzählungen meiner Kindheit und den Büchern des Heimatschriftstellers Johann Peter, einem Bruder meines Ur-Urgroßvaters. Als 1989 die Grenze geöffnet wurde und ich mich für die Geschichte meiner Familie zu interessieren begann, sah ich das erste Mal die wunderschöne Naturlandschaft, aber auch die zerstörten oder stark in Mitleidenschaft gezogenen Orte und Städte. Und ich las zum ersten Mal den Böhmerwäldler Heimatbrief und begann die Heimatverbundenheit der vertriebenen Böhmerwäldler noch besser zu verstehen. Das Vertreibungsschicksal blieb mir über die Jahre durch Erzählungen meiner Verwandten im Gedächtnis, es soll und darf nicht vergessen werden.

Vieles ist seit damals geschehen, Landschaft und Orte haben sich wieder stark verändert, sei es durch das Waldsterben, durch tatkräftigen Wiederaufbau von Kirchen, Friedhöfen und Gedenkstellen, aber auch durch ein neues Miteinander zwischen ehemaligen und heutigen Bewohnern, auf kulturellem und nachbarschaftlichem Gebiet.

Mittlerweile hatte ich begonnen, das Böhmerwaldmuseum in Wien zu betreuen und zu neuem Leben zu erwecken, die Sammlung zu archivieren und neue Kontakte auch über die Grenzen hinweg zu knüpfen. Diese Kontakte sollen auch dazu beitragen, dass „die Leute wieder zusammenkommen“ und dass – in vollem Bewusstsein des Unrechts der Vergangenheit – das Gemeinsame wieder stärker wird als das Trennende.

Für die Zukunft haben wir viele Ideen, die wir gerne realisieren möchten.

Um alle Landsleute an den Entwicklungen im Heimatkreis besser teilhaben zu lassen, werden wir künftig an dieser Stelle regelmäßig über den Stand unserer Überlegungen und Vorhaben berichten.

Alle Böhmerwäldler aus dem Heimatkreis Prachatitz sind natürlich auch zum Jakobitreffen des Böhmerwaldbundes in Lackenhäuser und am Dreisesselberg am 30. und 31. Juli 2016 herzlich eingeladen, und ich freue mich, möglichst viele dort auch persönlich kennenzulernen und bestehende Kontakte zu pflegen.

Mit herzlichen Grüßen!
Gernot Peter

1. Vorsitzender des Heimatkreises Prachatitz