Gedenkstein für Johann Peter

Von Dr. Gernot Peter
aus BHB Nr. 9 vom September 2015

Am Samstag, dem 27. Juni 2015 wurde in Buchwald (Bučina), dem höchstgelegenen Ort des Böhmerwaldes, dem Heimatdichter Johann Peter (1858-1935) ein bleibendes Andenken gesetzt. An der Stelle seines Geburtshauses, dem „Richterhaus“ Buchwald Nr. 2, das wie der ganze Ort 1956 dem Erdboden gleichgemacht wurde, fand in einer würdigen Feier die Enthüllung eines Gedenksteins anlässlich des 80. Todestages des Lehrers und Dichters statt. Initiiert wurde diese bleibende Gedenkstätte von Frau Kvˇeta Pˇeničková, der Lebensgefährtin des verstorbenen Hans Baier aus Hüttl, der sich nach der Wende um die Friedhofsrenovierung in Fürstenhut verdient gemacht hat. Der Böhmerwaldheimatkreis Prachatitz unterstützte die Errichtung des Gedenksteins finanziell, auch konnte die Einweihung so organisiert werden, dass sie genau am „Johanni-Wochenende“ stattfand, an dem sich heuer zum 64. Mal die ehemaligen Bewohner von Fürstenhut, Buchwald, Hüttl und Scheureck und ihre Nachkommen zu ihrem Heimatfest trafen. Schon die gut besuchte morgendliche Messe am Fürstenhuter Friedhof stand im Zeichen der gegenseitigen Versöhnung und des Miteinanders zwischen Deutschen und Tschechen. Der langjährige Ortsbetreuer Franz Strunz, der das Treffen auch heuer wieder hervorragend organisierte, legte zum Gedenken an die Gefallenen und Verstorbenen der Pfarrgemeinde Fürstenhut einen Kranz nieder.

2 x Gernot Peter, links der Ur-Urgroßneffe,
rechts der Enkel von Johann Peter
nach der Enthüllung des Gedenksteines.

Zur Einweihung des Gedenksteins, der in Form eines Buches mit Fotos und Texten an Johann Peter und sein Geburtshaus erinnert, kamen dann am Nachmittag über 100 Personen. Vertreter des Freundeskreises der deutsch-tschechischen Verständigung, der Hauptsponsor und Hotelbesitzer Dr. FrantišekThalián, Frau Pˇeničková und der Bürgermeister Václav Vostradovskýaus Außergefild (Kvilda) würdigten den Schriftsteller und dessen Heimatort und wiesen auf das Unrecht der Vertreibung hin. Der Böhmerwaldheimatkreis Prachatitz war durch die. Vorsitzenden Karl Swihota und Dr. Gernot Peter vertreten. Auch der Bürgermeister der Fürstenhuter Patengemeinde Mauth, Ernst Kandlbinder, nahm an der Feier teil, die simultan von Frau Králík übersetzt wurde, aber auch Gäste aus Prachatitz, Budweis und Österreich waren gekommen. Dr. Gernot Peter, ein Ur-Urgroßneffe des Heimatdichters und Obmann des Wiener Böhmerwaldmuseums, sprach auf Deutsch und Tschechisch Worte des Gedenkens und des Dankes an die Initiatoren, auch im Namen der weit verzweigten Familie Peter. Die Enthüllung des Gedenksteins nahm er gemeinsam mit seinem Namensvetter Dr. Gernot Peter aus Vilshofen, einem Enkel Johann Peters vor, ein weiteres Zeichen der Wertschätzung gegenüber der Familie und den ehemaligen Bewohnern Buchwalds.Abschließend wurden Gedichte von Johann Peter auf Deutsch und Tschechisch rezitiert und die Feier mit dem Böhmerwaldlied beschlossen.

Dr. Gernot Peter bei seiner Ansprache.

Am gleichen Ort wurde im Jahre 1928 am „Richterhaus“ eine Gedenktafel für Johann Peter zu seinem 70. Geburtstag angebracht. Die Buchwalder Dorfchronik weiß zu berichten: „Nach der mit großem Beifalle aufgenommenen Rede wurde die Tafel enthüllt, wonach der Dichter vom etwas älteren aber nochfast jugendlichen Herrn Böhmerwaldbundobmann Josef Taschek durch eine herzliche Dankrede und Überreichung eines Lorbeerkranzes geehrt wurde. Gerührt, kaum eines Wortes mächtig, nahm der Gefeierte alle ihm dargebrachten Anerkennungen, Geschenke und Huldigungen entgegen.“ Der Abend dieses denkwürdigen Tages klang mit einem gemütlichen Beisammensein im Gasthaus Bärnriegel in Finsterau aus. Die Veranstaltung fand auch Widerhall in der tschechischen Presse, es wurde mehrfach das Interesse bekundet, die Bücher von Johann Peter ins Tschechische zu übersetzen. Vorab wurden Nachdrucke seines wichtigsten Romans „Der Richterbub“ sowie der Buchwalder Ortschronik neu aufgelegt, sie sind um 20 Euro bzw. 7 Euro erhältlich (per Anschreiben an Gernot Peter, Beethovenstraße 19, A-3500 Krems oder per email: gernotpeter@aon.at).